Ein Geständnis • A Confession

2015-11-15

English version below.

Vor ziemlich genau vier Jahren war ich eine verlorene 16-jährige Austauschschülerin in Uruguay und startete meinen ersten anonymen Blog mit dem Titel Don’t let them say you ain’t beautiful. Viel Zeit ist seither vergangen, Blogs kamen und gingen, aber keiner konnte dem ersten das Wasser reichen.

Ich stand mit meinen Lesern in engen Kontakt, hatte offen über meine Schwierigkeiten und Träume geschrieben und baute dadurch ein Netz auf, das mir in der schwierigen Zeit enormen Rückhalt gab. Mit vielen Mädchen von damals stehe ich heute noch in Kontakt, habe einige getroffen. Heute sind wir junge Frauen, stärker und selbstbewusster.

Meine zweite Identität als anonyme Bloggerin war all die Jahre mein kleines Geheimnis. Wenn ihr denkt, dass es keine grosse Sache ist, weil ich seit anderthalb Jahren öffentlich blogge – glaubt mir, inhaltlich liegen Welten zwischen meinen letzten zwei Blogs und jenem ersten. Während ich in den letzten anderthalb Jahren all meine Gedanken zensiert habe (“Gebe ich zu viel von mir preis? Was denken sie, wenn sie das von mir lesen? Kann man das irgendwie gegen mich verwenden?“), bevor ich sie veröffentlicht habe, hatte ich mir damals einfach alle Sorgen von der Seele geschrieben, weil ich wusste, dass ich von niemandem verurteilt werden konnte, dessen Urteil mir wichtig war.

Hier werden sich die Meinungen spalten (Wie viel soll man im Internet über sich preisgeben?) und das ist in Ordnung. Ich jedenfalls habe die ‘connection‘ vermisst, die nur zwischen Menschen entstehen kann, wenn man wirklich offen miteinander ist, ohne die Zensur, die man sich auferlegt, um sich nicht an der sozialen Norm zu reiben.

Nachdem ich den Blog von Nirrimi Firebrace entdeckt habe, ist mir klar geworden: bloggen macht nicht mal halb so viel Spass, wenn ich nicht offener sein kann. Die 23-jährige photographer, writer, mama, traveller & blogger ist eine mega-Inspiration, ich liebe ihre Fotos und ihre ehrliche, bildhafte Sprache. Deshalb möchte ich es wagen wieder offen zu schreiben.

Wer weiss, wie lange ich durchhalten werde. Einfach ist es nicht. Aber ich freue mich.

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Around pretty much exactly four years ago, I was a lost 16-years old exchange student in Uruguay and started my first anonymous blog with the title Don’t let them say you ain’t beautiful. Lots of time has passed since then, blogs have come and gone, but none was as good as the first one.

I was close to my readers, wrote openly about my difficulties and dreams and thus got a network that was enormously supportive during my hard times. I’m still in touch with a lot of girls from back then, I’ve met some of them. We’re young women today, not as lost as we used to be.

My second identity as anonymous blogger was my little secret all those years. If you think that it’s not a big deal because I’ve been blogging publicly since one and a half years – believe me, there’s a huge difference between my first blog and my two last ones. While I’ve been censoring my thoughts during the last one and a half years (“Am I sharing too much about myself? What are they going to think when they read that? Could it be used against me somehow?“) before publishing them, I used to write whatever was on my mind because I knew I couldn’t be judged by anyone whose opinion  I cared about.

There are very different views about the topic “How much can we reveal about ourselves in the internet?” and that’s alright. As far as I’m concerned, I’ve missed the connection that’s only possible when people are really open with each other without the censorship we impose on ourselves in order to fulfill society’s expectation of what we’re supposed to tell about how we think or feel and what not.

I realised after reading the blog of the amazing Nirrimi Firebrace that blogging just isn’t fun when I can’t be honest. The 23 years old photographer, writer, mama, traveller & blogger is a huge inspiration, I adore her photos and her honest, vivid posts. Because of her I dare to write more honest and open again.

Who knows how long I’ll be able to keep it up. It’s not easy, but I’m looking forward.


Model: Anna

13 Comments
    1. Dieses Gefühl kenne ich zu gut. Mein Blog ist aus einem Blog entstanden, den ich früher als anonymer Blogger genutzt habe. Aber mit meinem zweiten Blog habe ich gemerkt, dass es eben beim Bloggen nicht bloss um den Inhalt geht. Es geht auch um die sozialen Verknüpfungen und Interaktionen zwischen Bloggern und Leserinnen/Leser. Das ist aber auch das schöne :) Deshalb habe ich mich damals entschieden, manchmal etwas mehr von mir Preis zu geben als ich es mir gewohnt war. Bis jetzt habe ich glücklicherweise nur positive Erfahrungen damit gemacht. Gerade Morgen werde ich meinen vermutlich persönlichsten Artikel posten. Ich würde mich freuen, wenn du ihn liest ;)

      1. Oh, du hattest auch einen anonymen Blog? Wie cool! :D Darf ich fragen, worum es da ging? Und meinst du mit dem zweiten Blog jenen anonymen oder den, den du jetzt hast?
        Freut mich, dass du damit nur positive Erfahrungen macht hast! Ich damals auch, nur hemmt es mich jetzt extrem, zu wissen, dass Leute, die ich kenne, meine Texte lesen könnten – auch weil es darin oft um meine Begegnungen mit anderen Menschen (die sie teilweise kennen) geht.. aber ich möchte es echt versuchen.

        ooh, ich freue mich schon sehr auf den Post morgen!! :)) und in keine zwei Wochen treffen wir uns :))

        Danke für deinen Kommentar! :)

    1. Naja…eigentlich ging es um nichts Konkretes :) Ich mag es zu schreiben und während meinem Studium haben wir das Thema Blog diskutiert und wie diese für Firmen genutzt werden könnten. Da habe ich mich entschlossen einfach einen Blog zu starten. Aber eigentlich wussten nur meine besten Freunde von diesem Blog. Und ich schrieb meistens lustige Beiträge über unsere Erlebnisse :) Mein jetziger Blog ist nun also mein zweiter und wohl auch etwas erfolgreicher Blog ;)

      Ouhh ich freue mich wirklich darauf dich endlich persönlich kennen zu lernen. Bin jetzt schon ganz gespannt darauf :)

    1. I completely agree with you about anonymity. I face the same thing with my Facebook account. At one time the only people on my Facebook account were people I had met online. Now that most of the people there are friends, family and former co-workers, I feel like I will be judged. It’s a case of who will I make worry about me or who will think this or that is not socially acceptable.

      The fact of the matter is that I’m not always socially acceptable. I have the vocabulary of an experienced sailor. I’m drawn to things that are darker. I’ve had my shares of highs and probably more than my share of lows. Just because I can identify with dark things doesn’t mean there is cause for worry. It’s just what felt right at the moment.

      I appreciate your bravery for being able to speak out as you!

      1. Dear Angel,

        Thank you so much for sharing your experience with me!

        “It’s a case of who will I make worry about me or who will think this or that is not socially acceptable.” – I know you’re not in the same situation as me but I think I exactly what you mean anyway! Even though it seems quite impossible now, I hope you’ll be able to merge those two worlds one day.

        I’ve come across this concept that opening up and making yourself vulnerable is also making yourself more relatable. That’s what I’m keeping in mind while my posts get bolder and bolder – I just hope that it helps someone, it will be worth all the criticism then.

        I wish you all the best and hope you’ll find your way :) take care!

    1. Danke fuer den Besuch bei Familyrulesbyplainjane :-). Aus aehnlichen Gruenden bleibe ich anonym. Mal sehen ob ich es in Zukunft anders mache. Was ich schreibe betrifft oft andere in meiner Familie, und ich denke auch an sie.

      1. Vielen Dank für Deinen Kommentar! Ja, ich habe auch noch so meine Schwierigkeiten damit über andere zu schreiben, und ich würde nie etwas Negatives über meine Mitmenschen schreiben.. ich denke, da muss man abwägen, wie man es am besten bewerkstelligt, vielleicht die Leute um Erlaubnis fragen? Auch wenn der Inhalt dann etwas “zensiert” werden könnte. Ich hoffe, Du findest noch eine Lösung, die Dir gut liegt :)

    1. Funny because I was writing about this very thing in my latest post! I almost deleted my blog, then I closed the comments instead. I really need to be more open or I start to suffocate. I love my life better as an open book. I know and love Nirrimi’s blog for these very same reasons, as I know and love yours.

      1. I’m so glad you didn’t delete your blog!! I read the post you linked in your blogpost (on racism in France) and loved it. I think I can’t emphasize enough how much I appreciate your support, thank you <3 I don't think we'd be able to connect the way we do if we would be too cautious about our thoughts and feelings so it's really encouraging to have people like you around :) Awesome that you know Nirrimi as well! :D
        btw, would you mind if I added you in Facebook? :)

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